Bei den Buschmann in der Kalahari/Namibia

Bei den Buschmann
der Kalahari

Im Februar des Jahres 2011 unternahm ich eine Reise in den Nordosten von Namibia. Ich wurde von einer Handvoll Europäern begleitet, die eine gemeinsame Absicht verband: Wir wollten das Volk der Ju/'Hoansi kennenlernen, um ihre Lebensweise zu verstehen. Es wurde eine bewegende Zeit, in der uns die Buschleute an Vielem von dem teilhaben ließen, was ihnen wichtig ist. Wir stellten Bögen und Schmuck her, sammelten eßbare Pflanzen im Busch, ulkten herum, tanzten, erzählten uns Geschichten und so weiter. Um all diese Erlebnisse darzulegen, wäre wohl ein Buch erforderlich. Stattdessen habe ich einen Tag ausgewählt. Es war…

Der Tag, an dem wir den Springhasen fingen

Der Tag, an dem wir den Springhasen fingen

Erzählt von Matthias Blaß

Die Sonne ging gerade auf, als wir mit fünf Jägern das Dorf verließen. Unser Ziel war ein Wasserloch, das etwa eine Stunde entfernt lag. Wir hofften, dort Elefanten zu begegnen, deren Spuren wir tags zuvor verfolgt hatten.

Denn in der vorletzten Nacht war ein Elefantenbulle durch unser Dorf gezogen. Als wir bei Tage die Fußabdrücke erblickten, konnten wir ihre Größe kaum begreifen. Neugierig nahmen wir mit den Jägern die Fährte auf, da wir den Elefanten sehen wollten. Die Spuren zeigten uns, wie er gemächlich dahinzog, wie er hier und da eine Knolle ausgegraben oder grünes Blattwerk von Bäumen gerissen hatte. Irgendwann hörte er damit auf und ging dazu über, seinen Rüssel schlangenförmig über den Boden schleifen zu lassen. Die Jäger erklärten uns, daß der Elefant beim Gehen in eine Art Halbschlaf gefallen war. So schlurfte er eine ganze Weile dahin, bis er plötzlich schneller wurde, was wir an den Schrittlängen sehen konnten. Er machte auch keine Pausen zum Fressen mehr, so daß wir nach einigen Stunden des Spurenlesens sicher waren, ihn heute nicht mehr einholen zu können. Die Fährte beschrieb jedoch einen weiten Bogen, der nach Einschätzung der Jäger zum besagten Wasserloch führen könnte, zu dem wir jetzt unterwegs waren.

Dort angekommen, fanden wir tatsächlich die Spuren von mehreren Elefantenbullen. Allerdings hatten sie das Wasserloch schon gestern wieder verlassen. Und da die Bullen zwanzig bis vierzig Kilometer am Tag zurücklegen, unterließen wir den Versuch, sie einzuholen.

Den Jägern war das vermutlich ganz recht – kam doch für sie jetzt die Gelegenheit, ihr Glück zu suchen. Wir zogen weiter durch den Busch und hielten nach frischen Fährten von Tieren Ausschau, die wir mit Bögen beschleichen konnten. In kurzer Zeit fanden wir Spuren von Kudu, Gnu, Ducker, Strauß, Stachelschwein, Erdferkel, Oryx, Steinböckchen und Schwarzfußkatze. Viele dieser Abdrücke waren nicht älter als zwölf Stunden, womit sie den Jägern aber noch nicht frisch genug waren. Einmal fand ich die Fährte eines Duckers, einer kleinen Antilopenart. Ich vermutete, daß sie zumindest erst in der zweiten Hälfte der Nacht entstanden war und rief die Jäger herbei. Sie bestätigten dies zwar, winkten nach einem flüchtigen Blick jedoch alle ab. Denn die Spuren waren eben ein paar Stunden zu alt und das Tier damit schon zu weit entfernt.

Plötzlich entdeckten die Jäger eine Springhasenfährte. Ich sah, wie sie aufgeregter wurden und mit stillen Handgesten über die Abdrücke diskutierten. Die Aufregung griff auf mich über, so daß ich gleich versuchte, die Fährte aufzunehmen. Das gelang mir auch, doch war ich in den Augen der Buschleute offenbar zu langsam. Bald verloren sie die Geduld und eilten mit zügigen Schritten auf der Fährte voraus. Als ich ihnen jetzt hinterher schaute, konnten sie meiner Bewunderung sicher sein. Sie waren in der Lage, dem Spurenmuster beim Joggen zu folgen. Und das auf einem gemischten Untergrund, der aus verhärtetem Sand, Streu und Gras bestand.

Nach ein paar hundert Metern endete die Fährte in einem Erdloch. Wir sahen, wie der Hase noch vor seinem Bau gesessen hatte und dann darin verschwunden war. Die Jäger bedeuteten uns, leise zu sein. Außerdem sollten wir nicht über den Gängen des Hasen laufen, damit er sich nicht tiefer zurückzieht. Nun nahm Koma, der erfolgreichste Jäger des Dorfes, den Springhasenstock. Dieser war etwa 5m lang und bestand aus mehreren stabilen Ruten des Rosinenstrauches, die mit Tiersehnen zusammengebunden waren. Am äußersten Ende befand sich ein Haken aus Eisen. Koma führte den Stock vorsichtig in den Bau ein und ließ ihn dann ruckartig vor- und zurückschnellen. Es dauerte nicht lange, bis er zu strahlen begann. Darauf erklärte uns Komtsa, der ausreichend Englisch konnte, daß Koma den Hasen am Haken hatte. Das wollte ich zunächst nicht glauben. Doch als ich das Ende des Springhasenstockes selbst in der Hand hielt, spürte ich nach einer Weile, wie etwas am anderen Ende zog. Ich hielt dagegen, herausziehen ließ sich der Hase aber nicht. Er sträubte sich und hatte sich im Gang festgekeilt.

Der Tag, an dem wir den Springhasen fingen

Komtsa teilte uns nun mit, daß wir eine Weile hier bleiben würden, da die Jäger den Hasen ausgraben müßten. Ich überlegte, ob das ein Scherz sein soll. Doch begannen die Jäger sofort, mit ihren Grabstöcken den Boden zu lockern. Zunächst gruben sie ein schmales Loch, das nur einen Meter vom Eingang des Baues entfernt war. Als sie den Springhasenstock unter der Erde fanden, konnten sie die Richtung bestimmen, in welcher der Gang des Hasen weiterverläuft. So legten sie die Stelle fest, wo eine größere Grube ausgehoben werden sollte. Dort begann Khall/'An, in einem Abstand von etwa 4m zum Eingang, nach dem Hasen zu graben. Nachdem wir ein wenig zugesehen hatten, schauten wir uns zum Zeitvertreib nach einer anderen Stärkung um. Wir fanden ein paar Buschkartoffeln, die wir mit unseren Grabstöcken ausbuddelten. Dabei handelt es sich um eine Knolle, die wie eine süßliche Kartoffel schmeckt und roh gegessen werden kann.

Khall/'An grub und grub – doch war nach einer halben Stunde noch nichts vom Hasen zu sehen. Während ich kopfschüttelnd in das Loch starrte, begann der schweigsame Kxao unvermittelt zu sprechen. Er hatte ein Gnu entdeckt, das gerade eine wunderschöne Grasebene betrat, welche weit in der Ferne lag. Ich konnte lediglich einen Punkt erkennen, der sich zugegebenermaßen bewegte. Als Koma die Nachricht hörte, übergab er das Ende des Springhasenstockes und verschaffte sich selbst einen Überblick. Ich spürte, wie sich sein Körper anspannte. Er nahm Bogen und Köcher, um sich auf den Weg zu machen. Zunächst deckten ihn noch einige Büsche, dann aber mußte er vorsichtig durchs Gras kriechen, weswegen wir ihn nicht mehr sehen konnten.

Nach einer halben Stunde kehrte Koma zurück. Er berichtete, daß der Wind am Anfang günstig stand, da er aus der Richtung des Gnus wehte. Irgendwann drehte er jedoch, worauf das Gnu Wind bekam und nervös wurde. Obwohl das Tier nicht gleich fortrannte, wußte Koma, daß er bemerkt wurde und seinen Versuch abbrechen konnte.

Der Tag, an dem wir den Springhasen fingen

Mittlerweile war die Grube einen guten Meter tief, doch vom Hasen fehlte weiter jede Spur. Die Jäger diskutierten hierüber, klopften die Seitenwände ab und horchten an ihnen. Schließlich entschieden sie sich, in Richtung des Einganges weiterzugraben. Nach einigen Händen Sand konnte ich den Hasen hören. Er knurrte und fauchte. Ich konnte es kaum glauben, als der Kopf des Hasen tatsächlich zum Vorschein kam, irgendwo da unten in der Erde. Khall/'An legte den Hasen weiträumig frei, um ihn sicher erschlagen zu können. Das geschah mit mehreren kräftigen Schlägen, die mit der stumpfen Seite eines Beiles ausgeführt wurden. Nachdem der Hase tot war, brach Khall/'An ihm mit gezielten Schlägen die Knochen. Ich fragte Khall/'An mit Komtsas Hilfe, warum er dies täte. Die Antwort lautete, daß die Buschleute das schon immer so gemacht hätten, worauf wir irgendeinen alten Jagdbrauch vermuteten. Erst später sollte sich klären, was dahinter steckt.

Die Sonne stand jetzt schon recht hoch. Uns Weißen würde es bald heiß werden, und da wir noch unsere angefangenen Bögen fertig stellen wollten, wanderten wir mit den Jägern ins Dorf zurück. Wir verabredeten, uns nach einer ausgiebigen Siesta wieder zu treffen.

Als wir später zum Dorfplatz kamen, waren die Jäger schon da. Sie hatten ein Feuer gemacht, in dem der Hase zubereitet werden sollte. Als erstes trennten sie ihm den Schwanz ab. Dieser ist wegen seiner Sehne wertvoll, aus der Bogenschnurr gedrillt wird. Dann versengten die Buschmänner das Fell im Feuer, da die Haut des Hasen mitgegessen wird. Nun schnitten sie alle Läufe und den Kopf ab, worauf der Brustkorb geöffnet wurde. Die Eingeweide konnten jetzt einfach ausgeschabt werden. Nachdem der Rumpf noch zerschnitten worden war, legten wir alles samt der Innereien auf die Glut. Nur der Darm wurde weggelassen.

Während das Fleisch vor sich hin röstete, stand mir Komtsa zur Seite, um einen der Ältesten anzusprechen. Ich wollte wissen, warum dem Springhasen die Knochen gebrochen wurden, als er schon tot war. Der Älteste antwortete, daß der Hase sich so leichter mit dem Messer zerteilen läßt. Das leuchtete sofort ein, da der Hase bei ihnen gleich zerschnitten wird. Die Antwort war so naheliegend, daß wir nicht selbst darauf gekommen waren.

Der Tag, an dem wir den Springhasen fingen

Allmählich bevölkerte sich die Feuerstelle, denn in Kürze würde das Fleisch durch sein. Jeder bekam etwas ab und auch wir Gäste kosteten natürlich – vorzüglich! Nach dem Schmaus fragte ich, wie das Fleisch denn bei ihnen verteilt werden würde. Das löste ein kurze Diskussion aus, worauf wir folgendes erfuhren: Wenn sie wirklich nur einen Hasen erwischt hätten, so wäre dieser normalerweise gleich im Busch verzehrt worden. Und zwar, weil seine Aufteilung im Dorf sich nicht lohnt. Wenn die Jäger aber länger geblieben wären und mehrere erbeutet hätten, so wären die einzelnen Hasen zunächst Eigentum desjenigen gewesen, der sie ausgegraben hat. Die jeweiligen Besitzer hätten die Bruststücke für sich behalten und sie in ihrer Familie geteilt. Den Rest hätten sie gleichmäßig an alle verbleibenden Dorfbewohner weitergegeben. Die Ältesten würden zusätzlich das Mark aus den Knochen bekommen, da es sehr kräftigend ist. Tatsächlich hatte ich die Ältesten soeben beobachtet, wie sie mit Steinen die Knochen aufgeschlagen und das Mark herausgeschlürft hatten.

Mit einem größeren Tier, wie einem Gnu, Oryx oder Kudu zum Beispiel, verfahren sie so: Der Besitzer ist zunächst derjenige, der den Pfeil hergestellt hat, mit dem das Tier erlegt wurde – der Jäger ist also nicht unbedingt der Besitzer! Alle Mitglieder der Gemeinschaft und gerade auch die Ältesten, die nicht mehr selbst jagen gehen, können den Jägern einen Pfeil mitgeben. Der Hersteller des Pfeiles behält Kopf und Hals des Tieres für sich. Das Übrige teilt er gerecht an die Dorfbewohner aus, wobei jeder ein Stück mit Fett und eines ohne bekommt. Der Jäger erhält allerdings etwas mehr von beidem. Das Knochenmark ist wiederum für die Ältesten.

In der Zwischenzeit waren Wolken aufgezogen. Es war aber noch hell und wir machten uns daran, die Arbeit an unseren Bögen abzuschließen. Wir waren bereits in die wichtigsten Kniffe eingeweiht und es gab nicht mehr viel zu tun. Wir hockten mit den Buschleuten am Feuer, sie bastelten an neuen Bögen für sich selbst, wir an den unseren. Während wir so beisammen waren, wurde mir klar, wie vertraut uns diese Leute geworden sind. Es war unsagbar entspannend, einfach mit ihnen dazusitzen, an den gleichen Dingen wie sie zu arbeiten und nebenher zu lachen und zu spaßen. Auch wenn sie ihren Handwerken nachgingen, strahlten sie Frieden aus. Es gefiel mir besonders, ihnen beispielsweise einen Pfeil zur Begutachtung zu überreichen. Sie nahmen sich Zeit, betrachteten alles genau und wiesen dann freundlich auf eine Stelle hin, an der es noch etwas zu verbessern gab. Am schönsten war es, wenn der Pfeil schließlich wohlgeraten war. Dann schauten sie hingerissen an ihm entlang und gaben dabei einen genüßlichen, langgezogenen Laut wie 'Jaaaaaaah' von sich, der mit einem zackigen 'Kadscha!' abgeschlossen wurde, was 'gut!' bedeutet.

Dennoch ging auch bei den Buschleuten mal etwas schief. Plötzlich brach N/'aici der Bogen durch, den er gerade austarieren wollte. Er ärgerte sich, zerbrach den Bogen in weitere Teile, schleuderte sie mit einer Geste der Selbstironie in den Busch und rief: 'Mögen die Bögen aller umliegenden Dörfer brechen!' Die anderen Buschleute lachten sich schlapp und der Witz war auch wirklich gut. Allerdings verstanden wir Gäste ihn erst so richtig, als er sich durch zwei Geschichten erklärte, die wir am Abend hörten.

Kurz danach gab es noch eine weitere Episode, die ich bemerkenswert fand. Heiko, also einer von uns Weißen, war gerade mit seinem Bogen fertig. Nun wollte er ausprobieren, ob sich damit auch eine Spindel antreiben läßt, um Feuer zu bohren. Er nahm einen der dünnen, langen Stöcke, mit denen die Buschleute Feuer machen. Allerdings reiben sie die Stöcke zwischen den Händen – das ist ihr Verfahren, während der Antrieb mit dem Bogen unbekannt ist. Als Heiko nun seinen Bogen schwang, fiel mir einer der Ältesten auf. Ihm war anzumerken, daß er die Sache nicht mit anschauen konnte. Kurzerhand nahm er Heiko das Spielzeug weg, begleitet von ein paar zwar väterlichen, aber irgendwie doch etwas ungeduldigen Worten. Es war nicht nötig, sie übersetzen zu lassen: 'Was soll der Unfug, die Stöcke wurden hier schon immer mit der Hand gedreht!'

Der Tag, an dem wir den Springhasen fingenDer Tag, an dem wir den Springhasen fingen

Ich erinnerte mich, wo mir der Älteste schon vor Tagen aufgefallen war. Wir streiften gerade mit einer bunten Gruppe aus Frauen, Kindern und Männern im Busch umher, um zu sammeln. Nach einer Weile setzten sich plötzlich alle hin. Als wir Komtsa fragend ansahen, ließ er uns wissen, daß wir jetzt rauchen würden. Sowohl die Männer, als auch die Frauen stopften sich Tabak in ihre Pfeifen, die überwiegend aus hölzernen Trichtern bestanden. Zwei der Buschmänner wußten sich jedoch anderweitig zu helfen. Sie klopften die schweren Eisenklingen aus dem Ende ihrer Beile und stopften den freigewordenen Hohlraum. Auf der stumpfen Seite der Beile war ein kleines Loch, durch das sie den Rauch einziehen konnten. Nur das Feuer fehlte noch dafür. Hier fühlte sich Koma zuständig und packte seine Feuerstöcke aus, die sich immer mit den Pfeilen im Köcher befanden. Koma stellte den dünneren Stock in die Mulde eines breiteren, liegenden Stockes, worauf er den stehenden mit den Händen antrieb. Nach kurzer Zeit quoll der glühende Abrieb aus der Mulde. Allerdings erwies sich der Zunder, den die Buschleute im Sitzen zusammengelesen hatten, als zu feucht. Einige Stunden vorher hatte es nämlich etwas geregnet. Folglich mußten ein paar von ihnen aufstehen, um trockeneren Zunder zu suchen. Da zog Jan sein Feuerzeug aus der Tasche und übergab es dem erwähnten Ältesten. Dieser wendete es stirnrunzelnd in seiner Hand, worauf er es Jan zurückgab – es war das erste Feuerzeug, das der Älteste in der Hand gehalten hatte. Also wußte er nicht, wie man es bedient. Vermutlich war ihm nicht einmal klar, wozu es gut ist. Als Jan ihm das zeigte, war er natürlich überrascht. Angenommen hat er das Feuer aber gerne – schließlich war er Raucher!

Als ich mit meinen Gedanken zur Feuerstelle zurückkehrte, war die Dämmerung angebrochen. Da fiel es mir wieder ein: Es war unser letzter Abend bei den Buschleuten. Am nächsten Morgen sollten wir den weiten Rückweg nach Windhuk antreten. Wir hatten mit den Buschleuten vereinbart, an diesem Abend zu feiern und Abschied zu nehmen. Die folgenden Stunden kamen mir wie ein zeitloser Augenblick vor und werden unvergesslich bleiben. Die Buschleute sangen ihre alten Lieder und tanzten. Aus der Fülle, die wir hier erlebten, möchte ich den Hyänentanz herausgreifen: Khall/'An tanzte zum Gesang des ganzen Dorfes, wie eine Hyäne einen Kudu erbeutet. Er hörte dabei offenbar auf, Khall/'An zu sein. Er war völlig hemmungslos, wurde zur Hyäne und es schien nur noch sie und den Tanz zu geben. Danach hörten wir im Busch mehrere Hyänen heulen, die den Lauten des Tänzers antworteten.

Irgendwann bekamen wir Lust, den Buschleuten etwas zurückzugeben. Also sangen wir auch einige unserer Lieder. So wechselten wir uns ab und jubelten uns nach jeder Einlage zu.

Am späteren Abend fragte ich, wer eigentlich 'Kunidao' sei (sprich: 'Gunnida'). Denn gestern hatte ein Ältester diesen Namen fallen lassen, ohne daß wir den Zusammenhang verstanden hatten. Einer der Buschmänner meldete sich und Komtsa übersetzte: Kunidao sei der erste Mensch gewesen, der in der Heimat ihres Volkes gelebt hat. Nun erkundigte ich mich weiter, ob es Geschichten über diesen Menschen gäbe. Darauf erhob Kxao das Wort.

Der Springhasenstock
(Diese Geschichte befindet sich hier…)

Alle hörten dieser Geschichte gebannt zu. Auch die Buschleute, die sie ja kannten. Danach blieb es eine zeitlang still, so daß nur das Feuer und die Grillen zu hören waren. Dann richtete sich eine Frau auf, die eine weitere Geschichte erzählen wollte. Komtsa übersetzte wieder.

Die Feuerstöcke
(Diese Geschichte befindet sich hier…)

Auch dieser Abend ging schließlich zu Ende. Während wir den Dorfplatz verließen, hatten wir Tränen in den Augen. Als wir auf der Rückfahrt über diesen Moment sprachen, stellten wir fest, daß es uns allen ähnlich gegangen war. Es ist nicht leicht zu beschreiben, was in diesem Gefühl zusammenkam. Sicherlich hat es mit der Ausstrahlung dieser Leute zu tun, die uns eigentlich am meisten beeindruckt hat. Ihr Wesen war friedlich, freudvoll und gelassen. Hiervon hatten wir in uns selbst einen Hauch zu spüren bekommen. Was uns beim Verlassen des Dorfplatzes bewegte, läßt sich vielleicht wie folgt zusammenfassen: 'So kann es sich also anfühlen, ein Mensch zu sein. So könnten wir gedacht sein.'

Der Tag, an dem wir den Springhasen fingen

Siehe auch:
Bei den Buschmann der Kalahari
Kunidao – Geschichten der Buschmann
Tonaufnahmen