Ausbildung Steinzeitliches Naturhandwerk und Rewilding

Ausbildung Steinzeitliches Naturhandwerk und Rewilding

Unsere steinzeitlichen Vorfahren verstanden sich darauf, im Einklang mit der Natur zu leben. Sie ruhten in der Gewissheit, allein vom dem versorgt und getragen zu werden, was die Erde ihnen anbietet. Dafür ist ein umfangreiches Handwerkszeug erforderlich, das wir uns in dieser Ausbildung aneignen. Durch praktisches Know-how können wir sowohl Verbundenheit mit der Natur als auch Autonomie in ihr erfahren.

Mit dieser Absicht wenden wir uns einer Reihe von steinzeitlichen Kernkompetenzen zu: Wir üben uns in der Kunst, Flintsteine zu bearbeiten, Werkzeuge, Bögen sowie Lederkleider herzustellen, Feuer zu verwenden und Urnahrung zuzubereiten. Während wir uns ans Werk machen, verbindet sich unser Körper unmittelbar mit der Natur, was auch eine erdende Wirkung auf unseren Geist hat. Darüber hinaus entsteht eine Notwendigkeit, unsere natürliche Mitwelt auf handfeste Weise kennenzulernen. Wie sieht denn ein Beifuß genau aus, dessen Stängel sich als Handbohrer zum Feuerreiben eignet? Aus welchen Baumharzen lassen sich die besten Kleber herstellen? Was macht Nahrung draußen haltbar?

Je mehr praktische Erfahrungen wir sammeln, desto mehr wächst unsere Selbständigkeit und unser Vertrauen in der Natur. Das vermag ein Gefühl der Freiheit von der modernen Konsumindustrie zu schenken, die auf dem Eindruck eines prinzipiellen Mangels beruht. Naturhandwerke öffnen dagegen das Tor in eine Welt der Fülle – sobald wir über die nötigen Fähigkeiten verfügen, stellen wir verblüfft fest, dass alles Nährende von vornherein auf der Erde zur Verfügung steht.

Feuerreiben mit dem Handbohrer

Herangehensweise

In steinzeitlichen Gemeinschaften werden Naturhandwerke von einer Generation an die nächste weitergegeben. Die Jüngeren lernen von den Älteren durch Beobachtung, Nachahmung und eigenes Ausprobieren. Dementsprechend geben wir in der Ausbildung zunächst die altbewährten Techniken an die Hand, worauf wir Raum für eigenes Üben und Experimentieren lassen. Dabei wird sowohl konzentriertes Arbeiten als auch kreatives Schaffen gefördert. Häufig stellt sich ein meditativer, entspannender Workflow ein, aus dem die Inspiration für persönliche Lösungswege erwächst. Freilich stoßen wir im Schaffensprozess auch auf Hürden, aber gerade dadurch lernen wir, worauf es bei einem Naturhandwerk ankommt. Dank solcher Erfahrungen entwickeln wir ein Bewusstsein dafür, wie wir eigene Lehrlinge dabei begleiten können, diese Fertigkeiten zu erwerben.

Teilnehmerkreis

Die Ausbildung richtet sich an Menschen in pädagogischen Berufen wie Erzieher, Lehrer, Ergotherapeuten etc. Außerdem eignet sie sich für eine freiberufliche Tätigkeit als Steinzeitpädagoge oder als Zusatzqualifikation für Natur- und Wildnispädagogen. Gleichzeitig sind natürlich alle Menschen eingeladen, die diesen Jahreskurs für sich selbst erleben möchten.

Struktur

Die Ausbildung umfasst fünf aufeinander aufbauende Blöcke mit insgesamt 20 Seminartagen. In den Zeiträumen dazwischen helfen praktische Vertiefungsübungen dabei, das Erlernte zu festigen und die Themen im Alltag lebendig zu halten.

Flintbearbeitung
Steinaxt

Ausbildungsblöcke

Die einzelnen Blöcke beginnen jeweils Donnerstags um 18.00 Uhr und enden Sonntags um 15.00 Uhr.

I. Flintstein (4 Tage)
Orientierungshilfe für den Verlauf der Ausbildung; Grundlagen zum Feuerstein und seiner Bearbeitung; Vorstellung geeigneter Werkzeuge; Aufschlagen der Flintknolle; Vorbereitung der Schlagflächen; Abschlagen von Klingen; Drucktechniken für die Weiterverarbeitung; Herstellung verschiedener Gerätschaften wie Messer, Pfeil- und Speerspitzen, Bohrer, Ahlen, Schaber, Säge sowie Stichel

II. Feuerkunst (4 Tage)
Geschichte des Feuers; verschiedene Zunderarten; Aufbereitung des Zunderschwammes; Feuerdrillen mit dem Handbohrer; Feuerschlagen mit Flint und Markasit; Transport von Feuer; steinzeitliche Destillation von Birkenpech; Kleber aus Baumharzen; Töpfern und Brennen von Tongefäßen; Werkzeuge für die Holzbearbeitung; Herstellung von Holzlöffeln sowie -schalen durch Glutbrennen und Schnitzen

III. Bogenbau (4 Tage)
Herkunft des Bogens; verschiedene Typen; der sichere Umgang mit Messer und Beil; Herausarbeitung der groben Bogenform aus dem Rohling; der Prozess des Feinschliffs und das Tillern; Zwirbeln von Bogensehnen; Bau von Pfeilen mit Flintprojektilen sowie von Übungspfeilen; Einführung in das Bogenschießen; unterschiedliche Stile und Schießübungen; Hinweise zum Lagern und zur Pflege

IV. Lederkleider (4 Tage)
Gegerbte Häute und ihre Rolle in der Menschheitsgeschichte; Schneidern eines Lederhemdes oder -kleides; Herstellung von ledernen Beinlingen samt Gürtel; Anfertigung von weichen Schuhen; Schnittmuster für die eigene Körpergröße und Übertragung auf das Leder; Handwerkstechniken wie Zuschnitt, Lochstanzen, Nähen, Knüpfen und Knoten; Verzierung der Kleidungsstücke; archaische Modenschau

V. Urnahrung (4 Tage)
Zerlegung von Jagdwild; Schnüre aus Sehnen, Rohhaut und Darm; Werkzeuge aus Knochen; Verwertung aller übrigen Tierbestandteile; ursprüngliche Zubereitung von Fleisch, Fisch, Ei, Gemüse und Kräutern; am Feuer Schmoren, Sieden, Rösten, Braten ohne Metallgeschirr; Nahrungsmittel aller Art natürlich haltbar machen; Räuchern, Pökeln, Trocknen, Einkochen und Fermentieren; steinzeitliches Abschlussmahl in Lederkleidern

Die Reihenfolge der Themen kann sich aufgrund des Wetters und gruppeninterner Prozesse etwas verändern.

Archaische…
…Modenschau

Ausbildungsziele

  • Aneignung von steinzeitlichen Techniken
  • Naturverbindung durch handfeste Praxis
  • Selbstvertrauen für die Persönlichkeitsentwicklung
  • Kennenlernen einer ursprünglichen Lebensweise
  • Erfahrungsschatz für eigene Lehrtätigkeiten

Termine 2027/28

  Naturhandwerk
Block I 08.04. – 11.04.2027
Block II 20.05. – 23.05.2027
Block III 01.07. – 04.07.2027
Block IV 09.09. – 12.09.2027
Block V 14.10. – 17.10.2027

Ort

Alle Ausbildungsblöcke finden an einem alten Forsthaus in 'Wald-Hessen' statt. Der Kursort liegt etwa 40km südöstlich von Kassel, in lauschiger und abgeschiedener Lage in der Natur. Da wir dort die einzigen Gäste sein werden, dürfen wir uns über eine intensive Lernatmosphäre freuen. Die Übernachtungen sind wahlweise in kleinen Matratzenlagern, im Zelt oder in unserem Laubhüttencamp möglich.

Schießübung mit selbst hergestellten Bögen

Kosten

Kursgebühr: 1590 € (ratenweise Zahlung ist möglich)

Zzgl. 390 € für alle Übernachtungen, Kursmaterial und warme Mahlzeiten. Die übrige Verpflegung wie Frühstück und Zwischenmahlzeiten bringen die Teilnehmer nach eigenen Vorlieben selbst mit. Eine Verpflegungs- und Ausrüstungsliste wird hierbei unterstützen.

Für einen Teil der Ausbildungsblöcke ist noch zusätzliches Werkmaterial erforderlich, das entweder selbst in der Natur besorgt oder eingekauft werden kann.

Leitung

Werner Pfeifer ist in Namibia aufgewachsen. Dort freundete er sich mit Buschleuten in der Kalahari an, deren steinzeitliche Kultur er intensiv kennengelernt hat. In Deutschland studierte er Pädagogik, Biologie sowie Frühgeschichte, absolvierte eine handwerkliche Ausbildung zum Säckler (Lederwarenschneider) und schloss sich einer Gruppe experimenteller Archäologen an. Seit vielen Jahren wirkt er als Steinzeitpädagoge in einem norddeutschen Freilichtmuseum und gilt als ausgewiesener Experte seines Faches.

Eine ausführlichere Selbstdarstellung von Werner Pfeifer finden Sie hier…

Alle Ausbildungsblöcke werden zusätzlich von einer Coleiterin begleitet, so dass unser Leitungsteam aus einem Mann und einer Frau besteht.

Zertifizierung

Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten die Absolventen ein entsprechendes Zertifikat, das von der Naturschule WILDNISWANDERN ausgestellt wird.

Förderung

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen unterstützt unsere Weiterbildungen mit dem 'Bildungsscheck 2.0'. Teilnehmer mit Wohnsitz in NRW können bis zu 500 € in Anspruch nehmen. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, erfahren Sie unter dem folgenden Link: www.mags.nrw/bildungsscheck

Anmeldung

Bitte über unser Online-Anmeldeformular

Steinrösten
Trockengestell

Medienbericht

NDR 1, Oktober 2025
Gespräch mit Werner Pfeifer über die Kultur der Steinzeit
"Der Steinzeitjäger von Dithmarschen" (ndr.de)

Siehe auch:
Natur- und Wildnispädagogik
Leben in der Wildnis
Essbare Wildpflanzen